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Ethnomedizin: Die Medizin der Naturvölker für Seele und Leben



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Einblicke in die Medizin des Heyoka

Und wer bin ich dann noch?


Alles, vieles. Okay, klingt ja mal gut. Aber dann merkst du, dass dir ein Boden fehlt, eine Selbst-Definition deines Ich.

Und vielleicht ist dir klar, dass die eh nicht stimmen kann, eine Annahme ist, fundiert auf deiner Lebensgeschichte und vielen Ich-bin-so-weil-Erklärungen. Oder auch im Sinne von

"So-werde-ich-gerne-gesehen". Das stirbt. Oder die Medizin kann nicht

verstanden, nicht gelebt werden.


Aber ein Heyoka ist da nicht mehr, lebt keine Erklärung, basiert nicht mehr auf der eigenen Geschichte. Das geht, wenn sie gelöst ist.

Wenn sie keine Bedeutung mehr hat, nicht mehr identitätsstiftend ist.


Und was ist er dann?

Über den Heyoka


Aus einer Email-Anwort:


Liebe E.,

es macht mir gerade Freude, dass du dich fürs Heyokasein interessierst.


Jeder Initiation (in eine Medizin) folgt eine Initiationskrise. Und die in die Medizin des Heyoka ist heftig.

Warum?

Viele sehen den/die Heyoka als Clown. Ist auch mit drin. Aber nicht nur.


Tiefer noch ist ein Heyoka ein (immer werdender) Meister der Perspektiven.

Bedeutet: Keine einzige Perspektive, die zum Beispiel du hast, auf dein Leben, die Gesellschaft, die Politik, die PartnerInnen, die Liebe, die Spiritualität... und vor allem auf dich selbst, ist richtig.

Nichts stimmt. Jede andere ist auch richtig.

Perspektiven


Stelle 20 Leute vor das Münchener Rathaus. Schicke sie rein, einen auf das Dach, einen in den Keller, einen in den Ratssaal, einen in die Kantine, usw, und dann frage sie nach einer Stunde: Beschreibe mir das Rathaus.

Wieviele Beschreibungen bekommst du? Welche stimmt? Alle.


Das ist es.

Wende das mal auf dich an, wenn du magst.


Es ist also nicht so einfach. Und wenn man sich wirklich multiperspektivisch sieht, wird jede Identität ad absurdum geführt.


Der Kokon aus Identität bricht auf und stirbt.

Buntes LebenEin Heyoka unserer Kultur: Till Eulenspiegel

Nun, wie lebe ich das und wann?

Grundsätzlich immer und eigentlich nie.

Wenn es drauf ankommt. Aber auf was es ankommt weiss ich nicht.


Ist auch egal. Aber wichtig.


Ich gebe mal ein Beispiel:

Eine Seelenaufstellung für eine Teilnehmerin (30 Jahre alt). Da sind StellvertreterInnen wie: das innere Kind, das Schattenkind, Mutter, Vater, Herz, Verstand, Weiblichkeit, Sexualität.. Alles (bis auf die Eltern) seelische Teile von ihr.

Ein ziemliches Chaos entsteht. Ich soll die Klientin coachen.

ClownVerrückt ist auch nur ver-rückt

Haltlos fallend, erst einmal.


Es ist eine Offenheit zur "Realität" jenseits von Meinungen, Ideologien, Regeln, Religionen, Konzepten. Kein Ich-bin-bla-bla mehr.

So entsteht Multiperspektivität.


Und das ist mit vielen Menschen, auch gesellschaftlich, erst einmal inkompatibel.


Diskutierst du mit einem Heyoka, sagen wir mal über die Flüchtlingsfrage, dann bekommst du innerhalb einer Stunde 10 verschiedene Perspektiven zu diesem Thema.

Und dann wird man schnell sauer: Wozu stehst du, wie siehst du es denn? Das hört man dann.


Macht aber nix. Denn der Heyoka ist "beyond that".

Verliere ich mich dann? Ja. Finde ich mich wieder. Ja. Erdung ist absolut notwendig. Sonst landet der Weg

in der Belanglosigkeit und nicht in der Freiheit.

Damenbad

Und wie kann ich das, wenn nicht multiperspektivisch?

Also die Perspektiven der einzelnen Teile, ihre Motivationen wahrnehmen, verstehen - und eben auch das Zusammenspiel untereinander, usw.


Monoperspektivisch bleibt nur das Konzept. Und dann sind wir bei systemischen Aufstellungen.

Aber die Seele ist nicht systemisch organisiert, lässt sich so nicht greifen. Es gibt kein definiertes Ziel, wie alles sein sollte. Es wäre völliger Murks sie so zu coachen, und auch nicht nachhaltig wirksam.

Es geht nur darum der Seele die Möglichkeit zu geben sich zu zeigen, und daraus in eine heilerische, befreiende Bewegung zu gehen. Denn nur die Seele weiss es. Nicht der Coach.


Also gibt es bei dieser Arbeit von mir keinen "Heyoka-Auftritt". Aber dennoch arbeite ich daraus.

Aus all den unterschiedlichen Perspektiven eines Heyoka, auch auf sich selbst und das eigene Leben, gibt es etwas, das verbindet: Stimmigkeit.


Sich als ein Vieles wahrnehmen.


Dann heisst es nicht mehr: Ich denke, sondern: Mein Verstand denkt. Nicht: Ich bin wütend, sondern mein inneres Kind ist wütend.

Nicht: Ich finde diese Frau anziehend, sondern meine Männlichkeit findet die Weiblichkeit der Frau begehrenswert.

Nicht: Ich hab Angst, sondern mein ... ist ängstlich.


In diesem Sinne perspektivierend bleibt etwas in dir, dass beobachtet, zuordnet und aber eben nicht situativ betroffen ist, und damit handlungsfähig bleibt.


Multiperspektivität ist ein Weg in echte Souveränität.