

Indianerpfad
Ethnomedizin

Medizinmenschen
Peyuta Wicasa
Der/Die KräuterheilerIn
Der Weg des Bären
Die Medizin des Peyuta Wicasa ist die der grünen Welt.
Er/Sie arbeitet mit Pflanzen
und ihren Stoffen. In etwa ist dies vergleichbar mit dem (alten) Apotheker unseres
Kulturkreis.
Mit dem modernen Apotheker, der zu oft lediglich noch als Point-
Im Peyuta Wicasa
finden wir die vielleicht älteste Form ursprünglicher Medizin. Seine Heilarbeit geht
weit über die Weitergabe eines Heilmittels hinaus. Der Hilfesuchende wird vom Peyuta
Wicasa nicht als Patient wahrgenommen, sondern als Mensch in all seiner Vielfalt
und Widersprüchlichkeit. In der Reduktion des Menschen auf seine Krankheit, (die
ihn ja zum Patienten macht), verlieren wir in der modernen Medizin den notwendigen
Überblick, die Gesamtschau auf den Menschen.
Hanunpa, der Bär, ist der Lehrer. Der Kontakt mit dem Bären wird immer wieder in
Visionssuchen, in der Schwitzhütte und auf schamanischen Reisen gesucht. Seinen Lehren
folgend wird sich der Initiant immer wieder zurückziehen, dem Bären gleich in eine
Höhle oder ein Erdloch, um in einer tiefen Versenkung, dem Winterschlaf ähnlich,
dem Bären und seiner Medizin näher zu kommen.
Der Bär ist, auch in unseren keltogermanischen
spirituellen Traditionen, der Meister des Rückzugs und wissend um Leben und Tod.
Der Winterschlaf des Bären ist dem Tode ähnlich, kaum noch atmend und mit nur noch
ein bis zwei Herzschlägen pro Minute überlebt er die kalte Jahreszeit. Wie die grüne
Welt auch zieht sich der Bär zurück, geht quasi in den Tod, um im nächsten Frühjahr
das Leben wieder aufzunehmen. Mitten im Winterschlaf bekommt die Bärin ihr Junges.
So entsteht aus dem Tod neues Leben und das eigene erfährt Erneuerung.
Wer dem Pfad des Bären folgt, wird all dies Verstehen müssen.
Nicht im Kopf, sondern
im größtmöglichsten Sinn. Dies kann nur das eigene intensive Erleben der Natur der
Bären wie auch die der grünen Welt möglich machen. Eine tiefe Hingabe an den Weg,
die Aufgabe des Egos und der Kontrolle des Verstandes sind die Lernfelder. So wird
es möglich Werkzeug zu sein und geführt zu werden.
Die Herstellung eines pflanzlichen
Heilmittels geschieht nicht mit der Natur, sondern durch sie.
Dies bedeutet, dass
der Peyuta Wicasa nicht Pflanzen nimmt, sondern darum bittet. Es beinhaltet Achtung,
Respekt und Wertschätzung vor dem Mitgeschöpf aus der grünen Welt und seinen Heilfähigkeiten.
Diese liegen sicher auch auf der stofflichen Ebene, doch wäre diese ohne die geistige
Ebene, die Pflanzenseele, nicht all zu viel wert. So geht ein/e Peyuta Wicasa in
seelische Kommunikation mit dem Geist der Pflanze. Das Ersuchen um Hilfe des Pflanzengeistes
geschieht durch schamanische Reise, heiligen Liedern wie auch mittels Rassel oder
Trommel.
Hinzu kommt eine ähnlich tiefe Kommunikation mit der Seele des Klienten
und der Wahrnehmung seiner Persönlichkeit. Ein Peyuta Wicasa bringt sie zusammen:
Körper, Herz, Verstand und Seele der Klienten wie auch die umfassende Präsenz der
Pflanzen.
In der Heilbehandlung eines Peyuta Wicasa verbindet das Ritual beide Welten.
Hierin
steht nicht die Verabreichung des Heilmittels im Vordergrund, sondern das Geschehen
einer Heilung.
Der Bärenmedizinmensch wird so arbeiten, dass dies für den zu Heilenden
deutlich wahrnehmbar ist. So unterstützt er eine der normativen Kräfte der Seele:
dem Streben nach Heilung. Wird ein Heilritual als wirksam empfunden, so hilft dies
sehr der Gesundung. Dies bestätigen auch aktuelle Forschungen. Allerdings fehlen
in unserer Schulmedizin entsprechende Rituale.
Menschen, die auf dem Weg der Bärenmedizin
wandern, sind oft etwas sonderbar. Ihre Kommunikation mit Pflanzen wird in der modernen
westlichen Welt meist als esoterische Spinnerei abgetan, Rückzugszeiten nicht akzeptiert
und ihre Arbeit gilt als überholt. Die Realitäten des Peyuta Wicasa sind andere (mehrere).
Doch auch dies ist die Wirklichkeit, aus der Wirkung möglich wird, die der Gesundung
dient.
So ist der Bärenweg einer, der in die Einsamkeit der Höhlen führt, wie auch in die überwältigende Fülle aller Lebensformen, die sind. Dieser Pfad verändert den Menschen, der ihn geht. Er führt mitten in die Schöpfung.

Um dem Individuum Mensch und seiner Medizin gerecht zu werden, wird ein(e) Peyuta
Wicasa individuell vorgehen. Die angewandte Ritualistik ist von Mensch zu Mensch
unterschiedlich, die Vorgehensweise, die Gespräche.
Heilmittel werden in der Regel
nur für einen Menschen hergestellt, in seinem Beisein und verbunden mit entsprechenden
Gesängen, der Arbeit mit Trommel, Rassel, Feder, Räucherungen und heiligen Liedern.
Peyuta
Wicasa wurden oft schon in jungen Jahren von erfahrenen Medizinmännern ausgebildet.
Weite Reisen wurden unternommen, um bestimmte Pflanzenteile zu sammeln.
Der Bär -
Der Verbündete des Peyuta Wicasa ist meist der Bär. Er kennt alle Pflanzen und ihre
Teile. Dies bestätigen auch Forschungen von Wildbiologen. Sie konnten beobachten,
dass ein Braunbär, der von Darmparasiten befallen war, bestimmte Pflanzen suchte,
ihre Wurzeln ausgrub und diese zu sich nahm. Am nächsten Tag schied er seinen gesamten
Darminhalt -
Das Wissen des Bären um Heilung und um die 'Apotheke der Schöpfung' macht
ihn zum idealen Verbündeten der Peyuta Wicasa.
Sein Platz in der Schwitzhütte betont
seine Heiligkeit.
So hatten die Sioux pflanzliche Heilmittel bei Schmerzen, Menstruationsbeschwerden,
zur Verhütung und Erleichterung der Geburt. Sie stellten Salben und Pasten her, Heilgetränke
und Mittel der Wundversorgung.
Wie wird man Peyuta Wicasa?
Auch hier steht die Berufung dazu, meist in einer Vision oder in Träumen, am Anfang
eines lange Weges des Lernens als SchülerIn.

Die Madre, Mutter aller Pflanzen.
In der peruanischen Mesa, einer nächtlichen Ayahuasca-



Ich gehe den Weg des Bären,
er ist mein Freund.
Er nahm mein Leben
und gebar mich erneut.
Ich
gehe den Weg des Bären.
Er ist mein Freund.


Kampfer
Ein starker Pflanzengeist, der klärend und reinigend wirkt.

Wie der Mensch auch ist der Bär ein Sohlengänger. Die Verwandtschaft von Bär und Mensch als Brüder der Schöpfung wird in vielen Mythen beschrieben. So ist die Rede von Bären, die zu Menschen werden, und von Menschen, die sich in Bären verwandeln. Der Disneyfilm 'Bärenbrüder' greift eine dieser alten indianischen Mythen auf.