

Indianerpfad
Ethnomedizin

Medizinmenschen
Wicasa Wakan
Der heilige Mensch -
Die 'heiligen' Menschen die wir aus unserem Kulturkreis kennen, werden vom Vatikan heilig gesprochen.
Dies geschieht immer erst nach deren Tod.
Im Gegensatz dazu wird der Wicasa Wakan, der heilige Mann, die heilige Frau, bereits zu Lebzeiten so genannt.
In diesen Zermonien ist der Medizinmensch tief im Kontakt mit der spirituellen Welt, und ohne das Selbst, das Ego oder ein Wollen zu leben führt es ihn durch die Rituale.
Die Anbindung an das Heilige ist ein gelebtes 'Mitakuye Oyasin', der Verwandschaft mit allem, was ist.
Dies wird dann erfahren und wirksam, wenn der Dienende leer ist, bereit sich füllen zu lassen, Werkzeug zu sein, statt kopfgesteuert zu agieren.
Gute Medizinleute sind die, die den Ritualen und den Menschen dienen. Man halte Abstand
vor solchen, die erwarten, dass Ritual und TeilnehmerInnen ihnen, ihrem Status oder
Ego zu dienen haben.
Diese Menschen tragen keine Medizin, denn sie leben keine.
Einige
Wicasa Wakan verstehen sich (auch) als Hüter der Traditionen.
Dies ist für alle fruchtbar,
wenn es die Weitergabe des Feuers darstellt und nicht das Hüten der Asche!
Der Wicasa Wakan unterstützt eine elementare Aufgabe der Seele: Ihr Streben nach Wachstum. Diese seelische Kraft ist sehr stark.
Sie führt im Leben immer wieder zu Situationen, an denen wir uns entwickeln können.
Was macht einen Menschen heilig?
Und was ist das eigentlich?
Wicasa ist der Mann, der Mensch. Wakan heißt heilig, auch geheimnisvoll, göttlich.
Der Wicasa Wakan ist heilig, weil er/sie sich selbst und die Schöpfung als heilig erfährt und dies auch lebt(!). Alle Lebensformen werden als Teil der Schöpfung betrachtet, sich selbst ebenso, wie auch die Menschen, für die gearbeitet wird.
Der Schöpfung dienend begleitet ein Wicasa Wakan Menschen im seelischen Wachstum.
In seinem Handeln vermischen sich die uns bekannten Aufgaben von Priestern, Gelehrten, Philosophen, Richtern, Therapeuten und Heilern. Allerdings wird ein guter Wicasa Wakan nur selten Antworten geben, die der Mensch, den er begleitet, selbst erfahren könnte.
Um Situationen zu schaffen, in denen der Suchende seine eigenen seelischen Hinweise bekommen kann, dient er Ritualen, wie z. B. der Schwitzhütte, der Visionssuche und dem Sonnentanz.
Um seelischen Wachstumsphasen zu nähren, leitet er Hochzeits-



'Ich bin ein Medizinmann, ein Wicasa Wakan.
Medizinmann das ist ein Wort, das die
Weißen erfunden haben. Ich wünschte, es gäbe ein besseres Wort, um auszudrücken,
was "Medizinmann" für uns bedeutet, aber ich finde keines und du auch nicht, und
so müssen wir uns wohl damit zufrieden geben.
Ein Wicasa Wakan muss viel und oft mit sich allein sein. Er will weg von der Menge, weg von den kleinen, alltäglichen Dingen. Er liebt es zu meditieren, sich an einen Baum oder an einen Felsen zu lehnen und zu fühlen, wie sich die Erde unter ihm bewegt und wie über ihm das Gewicht des weiten flammenden Himmels lastet.
Auf die Weise lernt er zu verstehen.
Brauchen wir in unserer Kultur Medizinmänner und Medizinfrauen?
Für die Menschen in unserem Kulturkreis ist die Zeit reif für eine wesentliche Veränderung: Schritte zu wagen zu sich selbt, in die eigene Verantwortung für Leben und Sein, weg von den Autoritäten. Es ist das Ende der Gurus.
Damit sind nicht nur die fernöstlichen Lehrer von Krishna bis Osho gemeint, sondern alle autoritären Menschen und Institutionen in unserem Leben. Beinahe in jedem Menschen haben diese ihre Daseinsberechtigung. Es hilft uns, anderen die Schuld zu geben, die Verantwortung, und anderen die Möglichkeit der Handlung einzuräumen. Wir entschuldigen uns selbst, weil wir Autoritäten haben, die an allem Schuld sind: Die Eltern, der Chef, die Polizei, der Nachbar, der Staat... Wir bleiben lieber klein. Und dann dürfen wir jammern und schimpfen.
Wir laufen suchend durch das Leben und finden andere Autoritäten. Die alten waren schlecht, die neuen sind bestimmt besser. Das ist Blödsinn. Der Zulauf von Sekten, wie den Scientologen oder anderen eher starr und hierarchisch geführten Organisationen sind nur ein Beispiel. Dies funktioniert ebenso in der Firma, wie auch im Privaten.
Er schließt die Augen und beginnt klarer zu sehen. Was du mit geschlossenen Augen
siehst, das zählt. Der Wicasa Wakan liebt die Stille, er hüllt sich in sie ihn ein,
wie in eine Decke -
Der große Medizinmann und Mensch Archie Fire Lame Deer über den Wicasa Wakan:

Ein Wicasa Wakan spielt hier nicht mit. Er möchte Respekt erfahren, sicher. Aber auch nicht mehr, als er die anderen wertschätzt und respektiert. Er wird allerdings niemals den Menschen, die er begleiten darf, Antworten vorgeben, oder vermeintliche Lösungen anbieten. Seine Antworten sind seine Antworten und sie gelten nur für ihn. Seine Aufgabe ist nur die, heilige Zeit in einem heiligen Raum zu schaffen, sodass seelische Wachstumsprozesse erfahren werden können. Das eigene Erleben dieser Intensitäten trägt den Erfolg.
Das eigene Verrstehen wird gelebt, und die daraus resultierende Umsetzung und Integration als in Folge als richtig erlebt und betrachtet. Dies ist ein wesentlich besseres Hilfsmittel, als die bevormundende 'Medizin' von manchen Therapeuten, Gurus und Lehrern des alten Musters.
Ein wirkliches Wachstum unserer Kulturen wird nur über das seelische Wachstum des Einzelnen geschehen können.
Wenn auch die gesellschaftlichen Kräfte ausgerichtet wären, die Individualität und die Entwicklung ihrer Mitglieder zu fördern, sodass die Menschen auf ihrern Seelenwegen gehen können, dann wäre eine beinahe schon paradisische Situation gegeben.
Wir hätten Ärzte, die zum Heilen berufen sind und nicht zum Geldverdienen, Politiker, die dem Volk dienen und nicht sich selbst, und Richter, die gerecht wären...
Es ist an der Zeit, einen gewaltigen Schritt zu uns selbst zu machen, in dem wir
alle Autorität in uns leben, die zu uns gehört. Wir sind verantwortlich, wir geben
Antwort. Dies ist im engeren Wortsinne gemeint. Antworten geben wir, in dem wir sie
leben. Dies ist Verantwortlichkeit.
Die Sprache, in der wir zu unserer Seele sprechen
ist das Buch des Lebens, das wir schreiben: Das Buch der Seele.
Bei ihrem Wachstum
unterstützt der Wicasa Wakan mit Ritual, Zeremonie und Gespräch.

Wie wird man Wicasa Wakan?
Es ist nicht möglich, eine Schule zu besuchen, oder eine Ausbildung zu beginnen,
die zu diesem 'Ziel' führt.
Zum Wicasa Wakan werden Menschen berufen, die bereits
eine Medizin tragen.
Das Erleben einer großen Vision initiiert den Wachstumsprozess
zum Wicasa Wakan. Das stete Üben in den schamanischen Tugenden stellt die Grundlage
für ein Erlernen und Vertiefen des Dienens dar.
Schwitzhütten, Visionssuchen und der
Sonnentanz lehren Hingabe und das Vertrauen in ein Geführtsein.
Dies ist ein langer,
intensiver und tiefer Prozess, der einer starken Wandlungsbereitschaft des Wachsenden
bedarf.
Dieser Initiationsprozeß mündet in eine weitere Form der Berufung, diesmal
durch Andere, die den Initianten um ein Ritual bitten. Das Vertrauen in den/die Wicasa
Wakan und der Wunsch anderer Menschen nach seiner Medizin lädt den Medizinmenschen
ein zu Dienen. Das folgende Ritual ist eine (weitere) Prüfung.
Alle Wicasa Wakan, die ich kenne, leben in ihrer Arbeit neben aller Medizin noch
weitere Qualitäten, die ebenso wirksam werden: Es ist das Wissen der Persönlichkeit
um eigene individuelle Stärken, seien es eine besondere Einfühlsamkeit, ein gutes
rethorisches Talent, die Präsenz von innerer Ruhe und Mittigkeit, usw.
Die Herausforderung
der Wicasa Wakan besteht in der Kunst, sich selbst nicht durch die Medizin zu definieren,
sondern sich auch in einem gesunden privaten Teil des Lebens zu finden. Nur der Mensch,
der sich selbst lebt, ganz privat und ohne alle Medizin, kann auch Medizin tragen.
Wer um die Intensität einer Arbeit in dieser Form weiß, versteht, dass Ruhephasen
und der Rückzug in das Private notwendig sind.
Eine Medizin geht wieder verloren, wenn sie nicht gelebt wird.
Dies muss nicht allein
ein Mangel an Gelegenheit sein. Manchmal verlieren Medizinleute auch ihre Medizin,
wenn sie Rituale geben, aber nicht leben.
Ein Medizinmensch, der meint, er würde handeln,
statt sich führen zu lassen, der denkt, er sei der Handwerker und nicht das Werkzeug,
der sein Ego über alles stellt, der sich hofieren und bewundern läßt, wird früher
oder später alle Anbindung an die Schöpfung verlieren. Mit seinem Ego nährt er das
Falsche. Bescheidenheit ist die Tugend, die bei der Leitung (eines Rituals) das Dienen
höher stellt, als die Führerschaft hierin.
Es ist eine Gnade, der Schöpfung dienen
zu dürfen.