Ethnomedizin - Naturspiritualität




Seelenrückführungen - Schamanische Arbeit
Im schamanischen Sinne können wir, ausgelöst durch einen psychischen und/oder seelischen Schock, z.B. Trennung, plötzlicher Verlust eines geliebten Menschen, Kindheitstrauma, Mißbrauch, Selbstmordversuch..., einen Teil unserer Seele verlieren. Jemand, der einen Seelenverlust erlitten hat, ist nicht 'ganz', fühlt sich immer wieder mal 'leer', will in einem bestimmten Bereich des Lebens nicht erwachsen werden, oder es fehlt ihm/ihr das Gefühl für eine Sinnhaftigkeit des Lebens. Körperliche Auswirkungenen treten oft auch durch Krankheiten auf.
Krankheit ist in ihrer Bedeutung für naturspirituell Heilende nicht nur die akute oder chronische Symptomatik in ihren Ausprägungen psychischer oder körperlicher Art, sondern in ihrer Wurzel eine Erkrankung der Seele. Entsprechend des Sinns des Wortes 'Psychosomatik' symptomatisiert sich die Krankheit der Seele auf der psychischen und/oder physischen Ebene, in Verstand, Herz und Körper. Der Begriff des ‚Psychosomatik' macht deutlich, dass eine kranke Psyche sich auf die Gesundheit des Körpers auswirken kann.
Im ganzheitlichen Menschenbild der Medizinmänner und Schamanen gilt das gleiche Prinzip: Die Unvollständigkeit und/oder Krankheit der Seele wirkt sich auf die untergeordneten Ebenen Psyche und Körper destabilisierend aus. Dies ist Seelosomatik. Eine Krankheit wird immer als ganzheitliches Problem verstanden. Körper, Geist, Gefühlswelt und Seele sind bei einer Krankheit gemeinsam betroffen. Die Heilarbeit der SchamanenInnen ist nicht nur eine Sache von Kopf und Hand, sondern schließt das Herz und das Seelische mit ein.
Auch in unserer Sprache haben sich Begriffe aus unseren früheren Traditionen erhalten. In den Redewendungen 'dem hat man die Seele aus dem Leib geprügelt' oder 'er hat sein Herz verloren' sind alte Volksweisheiten über seelische Verletzbarkeit und Krankheit enthalten.


Schamanische (Einzel-) Arbeit besteht darin, den/die verlorenen Seelenanteil/e wieder zurückzuholen. Hierzu versetzt sich der Schamane mittels Trommel, Rassel, o.ä. in eine Trance, und reist in die Anderswelt(en), um mit Hilfe seines Krafttieres den verlorenen Seelenanteil aufzusuchen. Seelenanteile tragen das Trauma, aufgrund dessen sie verloren gingen, in sich. Sie müssen also zuerst gereinigt werden. Ihre Heilung will begonnen werden. Nur so sind sie dem Menschen zuträglich und für ihn integrierbar. Ziel ist es, den verlorenen Anteil heim zu bringen und ihn der Seele des Klienten 'einzuatmen'.
Jetzt beginnt die Arbeit des Klienten, denn der (neue/alte) Seelenanteil will integriert werden.
Auch hierbei steht der Schamane begleitend zur Seite, und hilft, wenn er darum gebeten wird. Ein Schamane heilt also auf der seelischen Ebene des menschlichen Seins.
Dies wirkt auf die darunter liegenden Ebenen Verstand, (Denkmuster, Verhaltensmuster, etc), Herz (Gefühl, Emotion) und Körper.
Der Reichtum schamanischer Lehren ist immer noch groß. Sehr unterschiedliche Wege sind bekannt, die Seele zu heilen. Neben der oben beschriebenen Methode gibt es noch viele andere.
Wie wird man Schamane oder Schamanin?
Auch zu dieser Medizin wird man berufen. Eine Initiation kann nicht verkauft werden.
Schamanismus selbst kann man lernen, wie auch das schamanische Reisen, das Wissen um Seelenverluste und die Seele in der schamanischen Sichtweise, usw. Würde man eine Ausbildung hierbei belassen, würden aber wesentliche Voraussetzungen fehlen, die die Unterschiede zwischen einem schamanisch tätigen Menschen und einem/r SchamanenIn ausmachen: Die Wandlung und Findung der Persönlichkeit aus der (und über die) Norm der Gesellschaft heraus, die Reife emotionaler Intelligenz, die Tiefe der Hingabe an Medizin und Berufung, die Initiation.
Schamanismus ist kein Studienfach und Schamane kein Beruf, sondern eine Berufung.
In unserer Kultur fehlen SchamanenInnen. Beinahe überall, wo unsere Schulmedizin an Grenzen stößt, bietet sich der Schamanismus und die Kenntnisse um die Heilung der Seele an, um Menschen wirklich zur Gesundheit zu begleiten. Zum Beispiel steht die Krisenpsychologie, die sich mit traumatischen Störungen nach Katastrophen beschäftigt, vor der Wand: Ihre Konzepte und Vorgehensweisen (bis hin zur Zwangstherapie zurückgekehrter Tsunamizeugen am Münchner Flughafen...!) hat sich sogar als schädlich herausgestellt. Dabei geht es hier in erster Linie, wie auch bei allen anderen Traumata, um Seelenverluste. SchamanenInnen sind also dringend notwendig.
Nun leben wir nicht mehr in Stammestraditionen und dem entsprechend sind alte Ein-Lehrer-Ein-Schüler-Methoden zur Wissensweitergabe nicht in unsere Kultur übertragbar.
Eine gute Ausbildung in Schamanismus wird nicht nur das Wissen weitergeben und damit den Verstand schulen, sondern den ganzen Menschen so weit begleiten, dass er sich schließlich in einer Visionssuche der Schöpfung anbietet, ihr zu dienen. In diesem ersten Schritt zur Initiation (=Beginn) wird der Ruf vernommen - oder nicht.
Wicasa Wakan begleiten diese Initiationsprozesse, wachen ebenso in der Wachnacht mit den Initianten, sind im Kontakt mit den Spirits und dürfen ggf. eine erfolgte Initiation bezeugen.
Die, die Medizin tragen
Der Schamane - Die Schamanin
Es ist die Schöpfung, die sich ihr Werkzeug aussucht, nicht der Mensch...
(Eine schamanische Sitzung ersetzt weder Therapie noch den Arzt,
Therapeut und Arzt ersetzen keine schamanische Arbeit.)
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