Die Vision
In einer Visionssuche saß ich in der letzten Nacht, der langen Wachnacht unter dem Sternenhimmel auf einem hohen Gipfel des Karwendels. Der volle Mond ging im Westen in einem hellen Gelb unter.
Das Schwarz der Nacht wich im Osten einem tiefen Blau. Der Morgenstern zeugte einen neuen Tag.
Ich war glücklich und tief bewegt über das Geschenk einer Vision.
Sie war tröstlich und ermutigend - und sie erhielt einen klaren Auftrag...
Sieh hin, sagte der Adler: Mutter Erde. Ich sah ihre Schönheit, wie ein Diamant schwebte sie im All und nahm unzählige kleine Lichter war, die Menschen, die Tiere und Pflanzen. Einige Menschen leuchteten in Schönheit, andere selbstsam verfärbt und manche wirkten schrecklich. Dies sind die kranken Körper, Herzen, Gemüter und Seelen, sagte mein Krafttier. Es waren zu viele. Sei nicht traurig, hörte ich, denn: siehst du die hellen Punkte? Überall ist Medizin, die heilen kann.
Mir fiel mein Lehrer Archie Fire Lame Deer ein, der große Lakotamedizinmann, der sagte 'es ist immer alles schon da, wir müssen es nur wahrnehmen'... Wo eine Krankheit ist, gibt es auch einen Weg der Heilung. Oder: Gegen alles ist ein Kraut gewachsen. (Volksweisheit, Volkswissenschaft!) Und nicht nur ein Kraut.
Ich habe eine Vision: Ich gehe den Weg Krankheit und Heilung zu erforschen. Ich bin bereit zu lernen über die alte Medizin, die uns die Naturvölker als Erbe durch die Zeit mitbrachten. Dies ist mein Weg, der Schöpfung zu dienen. Auch wenn (m)ein Leben nicht ausreichen mag, jede Medizin jeder Stammeskultur zu erforschen und mir manche sicher auch nicht zugänglich sein mögen, so sei ein Anfang gelebt!
Es ist die richtige Zeit hierfür und mit dem Internetzeitalter, den Reisemöglichkeiten und der modernen Infrastruktur und ihren Medien sind alle Grundlagen vorhanden, dies jetzt zu verwirklichen. Die vieldiskutierte Globalisierung muss auch ein Zusammenwachsen der Heilungsmethoden aller Kulturen ermöglichen.
Als der Adler mich zurückbrachte auf meinen Platz auf dem Berggipfel sagte er: 'So sammle Wissen und lebe es. Doch Wissen gehört nicht Einem alleine, arbeite damit und gebe es weiter...’
So entstand der Indianerpfad.
Die Nacht.
Die Nacht schien endlos und ich war hundemüde. Der Schlaf kroch immer wieder heran und wollte mich unter seine warme Decke nehmen. Aber ich wollte wach bleiben. Bis zum Sonnenaufgang waren es sicher noch ein paar Stunden...
Es war kalt hier oben auf 2.500 Metern. In die Windstille fuhr eine Böe hinein, die auch mich erfasste und mitnahm auf eine Reise. Tate kam, der Wind, auf dem mein Krafttier, der Steinadler reitet um mich sehen zu lassen. Hoch ging der Flug bis weit über die Atmosphäre und rund um die Erde. Ich hielt den Atem an...