Ethnomedizin - Naturspiritualität
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Die häufigsten Fragen zur Schwitzhütte
Wie heiß wird eine Schwitzhütte?
Nicht soooo heiß...
Ich habe schon in Schwitzhütten gesessen, deren Temperatur auch zum Garen einiger Speisen gereicht hätte und bei den TeilnehmernInnen zu leichten Verbrennungen der Haut sorgte.
Es geht aber nicht um die Quantität der Hitze, sondern um die Qualität des spirituellen Rahmens: Der rituelle Bau der Schwitzhütte und der Feuerstelle, die Hingabe des Feuerhüters, die Energie der gut gewählten Steine, die spirituelle Qualität des/r Schwitzhüttenleiters/In, der Lieder, der Gebete und last-but-not-least der Mitwirkung der TeilnehmerInnen des Kreises.
Wie lange dauert eine Schwitzhütte?
Das Inipi dauert etwa 2-3 Stunden. Allerdings wird die Zeit nicht so wahrgenommen. Meist kommt man heraus und stellt verwundert fest, dass es später ist als man dachte...
Geht man nackt in eine Schwitzhütte?
Bei unseren Schwitzhütten tragen wir leichte Bekleidung - Shorts oder Unterhose, T-Shirt oder Wickeltuch.
Es gibt SchwitzhüttenleiterInnen, die erwarten, dass alle TeilnehmerInnen unbekleidet - wie Gott sie schuf - in die Schwitzhütte gehen.
Aber auch bei den Natives trägt man überwiegend leichte Kleidung. Eine Schwitzhütte ist eine spirituelle Zeremonie. Es geht also nicht darum, die TeilnehmerInnen mit Scham oder Nichtscham, Begierde oder Anmache, Sexualität oder Spannerei zu beschäftigen. Hierfür gibt es gemischte Saunen und diverse Angebote mehr.
Welche gesundheitlichen Voraussetzungen sind für eine Teilnahme erforderlich?
Eine normale physische Belastbarkeit ist ausreichend. Sollte Ihnen ihr Arzt dem Besuch der Sauna abraten, konsultieren Sie bitte zuerst ihren Arzt.
Kann man während einer Schwitzhüttenzeremonie raus?
Ja. Immer, wenn die '’Tür' geöffnet wird und bevor neue Steine hereinkommen darf man die Schwitzhütte verlassen - aber dann nicht wieder hinein.
INIPI
Das Schwitzhüttenritual

Das Schwitzhüttenritual nach der Tradition der Lakota ist mindestens 2.500 Jahre alt. Es folgt der alten Mythe von ‚Inian Hokshi', dem ersten Medizinmann der Lakota.
Mit der Schwitzhütte wird die Kraft der Schöpfung eingeladen bei Reinigung und Heilung zu helfen und die Gebete zu tragen - ein reicher spiritueller Prozess.
Ein Schwitzhüttenplatz besteht aus einer Feuerstelle, die Vater Sonne entspricht und der Schwitzhütte selbst, die für die mütterliche Erde steht.
Die Schwitzhütte wird aus 16 Stäben gebaut, die im Kreis in den Boden gesteckt und zu einer Kuppel zusammengebunden werden. Die 16 Stäbe entsprechen den ersten 16 Schöpfungsschritten aus der Mythologie der Lakota.
Bedeckt wird die kleine Hütte mit Decken - früher nahm man Bisonhäute.
In der Mitte der Schwitzhütte wird ein Loch ausgehoben, in das während der Zeremonie die heissen Steine gegeben werden.
Man schlüpft in den Bauch von Mutter Erde - in ihre Gebärmutter, um durch die Energien der Schöpfung nach der Zeremonie neu geboren zu werden.
In der Feuerstelle werden die Steine erhitzt, bis sie rot glühen. Es sind 4 x 8 Steine, die benötigt werden. Die ersten 8 stehen für Reinigung und Heilung des Körpers, weitere 8 für Reinigung und Heilung des Verstandes, die nächsten für das Herz, die letzten 8 für die Seele. Nach jeder Runde wird die 'Tür' geöffnet, sodass etwas frische und kühle Luft hereinkommen kann. Immer wieder gibt es Aufgüsse mit Wasser, Lieder, Gebete, die Klänge von Trommel und Rassel.
Alle Spirits werden eingeladen zu helfen...
Im heiligen Raum der Schwitzhütte wird das eigene Sein in einer intensiven Tiefe wahrnehmbar.
In dieser seelischen Resonanz geschehen reinigende, seelisch heilende wie auch erkenntnisreiche Prozesse des Selbst.
Thematische Schwitzhütten ermöglichen eine kraftvolle Unterstützung eigener Wachstumsprozesse.
Copyright © Alle Rechte vorbehalten by: Christian Vogel, Ingolstadt
Impressum
Inipi
In mir ist dieses tiefe Sehnen,
das kaum ein Mensch versteht.
Der Drang nach der Bäume lehnen,
der in mir stets sich dreht.
Weisst du wie der Wind singt in dunkler Nacht?
Kennst du die Farben der Erde?
Sahst du je die Schönheit wenn der Tag erwacht?
Kennst du des Wassers Lehre?
Denn als der Sonne Flammenbad,
den kalten Stein erhitzten.
Und unter dunklen Zweigen dann,
wir in Extase schwitzten...
Da starb in mir das große Grau,
die Trommel trug mein Herz.
Erkenntnis kam im Morgengrau,
die Nacht behielt den Schmerz.
Im Kreise des Feuers spürte ich,
der kühlen Wasser Eis.
Im Wind die Stimmen hörte ich,
sie raunten gar so leis.
Und öffnete sich mein Herz der Welt,
und mit ihm meine Augen.
Der Ruf der Trommel leis verschellt,
doch weiß ich was zu Glauben.
10.April 2004
"Nach meiner ersten Schwitzhütte"
Dinah Vogel
Was ist eine Mondhütte?
Die Moonlodge, die Mondhütte, ist ein altes Ritual der Lakotafrauen. Sie ist ein
Rückzugsraum für alle Themen der Weiblichkeit. Es ein heiliger Kreis, in dem sich
Frauen auf ihre ureigene Kraft und Spiritualität besinnen.
In diesem Kreis sind sie die Bewahrerinnen und Hüterinnen der Weiblichkeit, die in
unserem Alltag oft wenig Platz findet. Hier ist der Ort, an dem sie in sich horchen
können. Voller Vertrauen folgen sie den Bedürfnissen ihrer Körper und der Weisheit
ihrer Gefühle. Hier wird nichts gefordert, was ihnen nicht entspricht. Die Schwitzhütte
für Frauen hilft dabei, Übergänge bewusst zu vollziehen, sich auf sich selbst zu
besinnen und die eigene Position neu zu bestimmen.

Tod in der Schwitzhütte
Die Presse (u.a.Süddeutsche am 5.2.2010) berichtete über den Tod von Schwitzhüttenbesuchern
in den USA.
Wie ist das möglich? Wie kann ein Mensch in so einem heiligen Ritual wie der Schwitzhutte
zu Schaden kommen, bzw. Sterben?
Hintergründe: Die Zeitungen nennen James Ray einen 'amerikanischen Selbstfindungsguru'.
Der charismatische Unternehmer ist vielen Menschen in den USA aus dem Fernsehen bekannt
(Oprah Winfrey, Larry King). Er gab Seminare, die seinen Kunden 'harmonischen Reichtum
in allen Lebenslagen' versprachen. Dafür bezahlten seine Anhänger bis $ 60.000,-
jährlich.
Ray selbst lebte in einer Beverly-Hills-Villa und ist mehrfacher Millionär...
Zu James Ray’s ‚Philosophie’ gehörte die Er- oder besser Über-lebbarkeit von Grenzerfahrungen.
So kam es immer wieder auch zu Unfällen, Beinbrüchen und Verletzungen. Der Selbstfindungsguru
nahm fast alles in sein Seminarrepertoire auf, dass Grenzerfahrungen ermöglichte,
so auch die heilige Schwitzhüttenzeremonie. Hierzu wurde er sicher nicht berufen.
Es ist ein Egotrip unter Mißbrauch eines heiligen Rituals und der Schöpfung selbst.
Ich bin sicher, dass er viele Zeichen und Hinweise durch die Spirits bekam, sie
aber nicht als solches verstand oder verstehen wollte.
Ein Schwitzhüttenmedizinmann (-frau) steht in Verbindung mit der geistigen Welt und
zu den Inipispirits, und fühlt das Befinden der Menschen, die er begleiten darf.
Ray konnte dies offensichtlich nicht.
Seine Schwitzhüttengäste verzichteten aufgrund seiner Anordnung schon seit einigen
Tagen auf Nahrung und weitgehend auch auf Wasser. In der Schwitzhütte kam es dann
bei den meisten Menschen zu Kreislauf- und Herzproblemen. Vier Besucher standen kurz
vor dem Tod. Netterweise streichelte er den Zusammenbrechenden den Kopf und hielt
ihre Hand... Sanitäter und Notarzt wurden zu spät gerufen. Die ersten starben. Die
Polizei nahm ihn fest. Er ist nun auf eine 5 Mio. $ - Kaution auf freiem Fuss und
wartet auf seinen Prozess. Ich hoffe, dass eine gerechte Strafe gefunden werden möge.
Doch die, die ihr Leben suchten und den Tod fanden, werden hierdurch nicht wieder
lebendig.
In einer von einem hierzu berufenen Medizinmenschen begleiteten Schwitzhütte kann
so etwas nicht geschehen. Sicher gibt es auch hier Grenzerfahrungen, doch menschliches
Wachstum wird nicht mit der Brechstange erzwungen, und die Eigenverantwortlichkeit
und Authentizität des Menschen selbst als hohes Gut gefördert.
So ist es immer möglich, die Schwitzhütte zu verlassen. (Ohne dafür bewertet oder
beleidigt zu werden).
Mir fehlt bei James Ray Respekt: Respekt vor den Menschen, die sich ihm anvertrauen
und Respekt vor den heiligen Ritualen und vor der Schöpfung selbst. Und ein Weg,
der in das Gefängnis führt, ist sich auch ein respektloser Weg sich selbst gegenüber.
