Die 16 Stäbe des Inipi, der Schwitzhütte

(Persönliche Wahrnehmungen und Erfahrungen, unvollständig, stets lernend...)



Der erste Stab.

Am Anfang schuf Wakan Tanka Wi, Vater Sonne.

Die Sonne ist die initiatorische Kraft, die alles Wachstum, nicht nur das pflanzliche, beginnen lässt.

Sie ist männlich, wie auch im Französischen und anderen Sprachen.

Wi steht also für die Männlichkeit, die männliche Energie, auch die zeugenden Kräfte.


In der Schwitzhüttenzeremonie finden wir den Platz der Sonne in der Feuerstelle, in der sie mit Inian, dem Fels, dem Inipi dient. Wi ist auch der erste Stab der Schwitzhütte selbst. Beide Plätze stehen so miteinander in Verbindung.


Wissenschaftlich: Am Anfang unseres Sonnensystems gab es nur die Sonne. Die einzigen (sehr leichten) Elemente waren Wasserstoff und Helium. Alle anderen schwereren Elemente erbrütete die Sonne, so auch Eisen, Nickel, Kupfer, Kohlenstoffe, usw, aus denen wir Menschen bestehen. Auch Sie selbst, die gerade diese Zeilen lesen, sind quasi ein Kind der Sonne und tragen in sich viele Elemente, die einst die Sonne erbrütete: Vater Sonne.


Der zweite Stab.

Aus Wi entstand Skan, die Bewegung(en).

Alles ist in Bewegung. Ohne diese Kraft ist nichts denkbar.

Durch das Entstehen von Skan kommt Bewegung in den Schöpfungsprozess. Wi kann nun Licht aussenden und aus seiner riesigen Masse die Planeten schaffen, die sich bald um das Zentralgestirn drehen.


Ein Mangel der elementaren Kraft von Skan bewirkt Krankheit. Ein Stillstand in einer Beziehung führt oft zum Ende, ein Mangel an körperlicher Bewegung zur Belastung der Gesundheit, eine sich nicht entwickelnde Liebe und Sexualität zur unglücklichen Partnerschaft. Einem Mangel an Bewegung in der Wirtschaft folgt das Firmensterben; ('ein Unternehmer heißt Unternehmer weil er etwas unternimmt').

Und wenn Skan im Staatshandeln fehlt, nennen wir dies Reformstau...


Wissenschaftlich: Es ist unbestritten, dass nichts unbewegt ist.

Man frage einen Kernphysiker und möge hoffen, er könne Quantenphysik gut erklären.


Der dritte Stab.

Maka, Mutter Erde entsteht.

Maka wird Mutter genannt, weil sie nährt und trägt.

Unser Körper besteht aus den verstoffwechselten Gaben der Erde, seien es Pflanzen oder tierische Nahrung. Wie die eigene Mutter auch sorgt sie sich um uns, gibt uns Raum zum Leben, Wurzeln und den Boden für alles Wachstum.


Maka ist empfangend und erfährt durch Wi immer wieder Befruchtungen (z.B. im Sinne der Jahreszeiten), sodass es immer wieder zu Geburten bei allem Lebendigen kommt.

Maka steht für die weibliche Kraft.


Die Schwitzhütte wird ebenso als Maka betrachtet. Sie ist wie eine Gebärmutter von Mutter Erde.


Wissenschaftlich: Reihenfolge in der Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems unbestritten.


Der vierte Stab.

Inian, der Fels, der Stein, der Großvater wird erschaffen.

Inian ist somit das Älteste fester Natur, das es gibt. Im Sinne der Schöpfung ist Inian ebenso ein 'Ältester', ein Lehrer, voller Weisheit, denn er hat schon alles erlebt: Ein Großvater. Steine sind die unterschätztesten Wesen auf der Erde.


Inian ist der Wandler. Er wandelt die rotglühende, noch flüssige junge Erde in festen Boden, das Wasser der Aufgüsse in der Schwitzhüttenzeremonie in seinen dampfigen Atem, und unterstützt die wandlungsbereiten Menschen im Inipi kraftvoll.

Bei beinahe allen Ritualen spielt Inian eine große Rolle...


Wissenschaftlich: Die erste feste Materie, die auf der noch jungen, flüssigen Erde entsteht, ist in der Abkühlungsphase 'unseres' Planeten die harte Kruste kälter werdender Magma und Lava: Stein, Fels: Inian.


Der fünfte Stab.

Hanwi, der Mond entsteht.

Der Mond ist weiblich: Untschi - eine Großmutter, (= von der wir zu lernen haben).

Als fünftes Wesen der Schöpfungsmythe verkörpert sie die Tiefe des Herzens und seine Farben. Sie begleitet alle Menschen, auch die Schwellensituationen im Leben, wie Geburt, Pubertät und Klimakterium.

Hanwi ist die Begleiterin der Wölfe, die Sonne der Nacht und verschwiegene Hüterin von Romantik, Hoffnung und Liebe.


Hanwi, wörtlich 'Nachtsonne', steht für die Zyklen, die Gefühle, das Herz. Großmutter Mond wirkt stark auf alles Leben auf der Erde.

Der weibliche Zyklus geht mit dem Mond. (Siouxfrauen 'sind in ihrem Mond', wenn sie ihre Menstruation haben). Pflanzliche und tierische Fruchtbarkeit richten sich nach dem Mond, ebenso Ebbe und Flut.

Die teilweise so beliebten Mondkalender beschäftigen sich mit den Qualitäten der Mondzeiten.

Hanwi unterstützt bei allen Schwellensituationen im Leben, wie z.B. der Pubertät, dem Erwachsenwerden, dem Klimakterium, usw.


Wissenschaftlich: Der Mond entstand nicht gleichzeitig mit der Erde, sondern erst später durch einen Einschlag eines Asteroiden. Ein großer Teil der Erdmasse driftete ins All, wurde durch die Schwerkraft der Erde eingefangen und kreist seitdem als Mond um uns. Durch den Impact wurde die Erdachse ein Stück verschoben: Seither gibt es die Jahreszeiten. (Zyklen!)


Beim Bau der Schwitzhütte wird in ihrer Mitte ein kreisrundes Loch geschaffen, in das später die glühenden Steine gegeben werden. Die ausgehobene Erde wird zum Bau des Mondhügels verwendet, einem Altarplatz zwischen Schwitzhütte und Feuerstelle. Aussage: Der Mond war ein Teil der Erde. Diese spirituell gewonnene Erkenntnis wurde nach über 2.000 Jahren von den Apolloastronauten bestätigt. Das hätte man wohl etwas preiswerter erfahren können...


Der sechste Stab.

Tate, die Winde werden erschaffen.

Tate sind die Winde, die bewegte Luft. Es ist der Frühlingswind, der alle Samen trägt und zur Fruchtbarkeit der grünen Welt beiträgt. Es ist der Herbststurm, der die alten Dinge fortbläst und der warme Sommerwind. Tate transportiert den Schall, die Wörter und Lieder.


Wissenschaftlich: Unbestritten ist der Einfluss des Mondes auf die globalen Windsysteme groß. Die Eigenrotation der Erde und die Anziehungkräfte des Mondes wirken auf die Wassermassen der Erde, sodass Strömungen entstehen. Durch unterschiedliche Wassertemperaturen der Meeresströme kommt es zu Tief- wie Hochdruckgebieten und dadurch zum Austausch der Luftmassen, den Winden.

Unsere Nahrung hängt von Tate ab: Die meisten Hauptnahrungspflanzen (Reis, Getreide, Mais, Hirse, usw) werden (getragen) durch den Wind bestäubt.


Der siebte Stab.

Whopee, die Harmonie stellt sich ein.

Whopee ist die Kraft der Balance, die Bewegung in der Ordnung aller Existenz. Whopee schwingt weit, kennt alle Polaritäten und verbindet diese im Bemühen um Harmonie. In anderen Kulturen wird Whopee z.B. Yin und Yang genannt. Momente völliger Harmonie sind selten. Whopee ist die Kraft des Bestrebens danach, die Bewegung zu…


Wissenschaftlich finden wir Whopee in allen physikalischen Gesetzen. In der Mathematik ist es das '=' in allen Formeln, eine normative ausgleichende Konstante. Auch in der Wetterkunde ist diese Kraft bekannt, die sich um Ausgleich bemühend auf die Atmosphäre wirkt.

(Es gibt auch Inipis, bei denen Unk an 7. Stelle steht. Es ist ebenso richtig. Letztendlich ist Unk auch ein Teil von Whopee).


Der 8te Stab.

Wakinyan, der Donnervogel, die Geflügelten.

Wakinyan steht für Blitz und Donner, für Unwetter, Zerstörung und elektrische Energie(!).

Der Donnervogel bringt Unordnung in die tote Ordnung, gewaltiges Skan in alte Strukturen und Muster, ist das Sterben und das Werden und die Vielseitigkeit.

In Wakinyan finden die Heyoka ihre Verbündeten.


Wissenschaftlich sehe ich Wakinyan als eine Kraft, die in wachsender Instabilität bis zum Punkt des absoluten Chaos reift, um dann in einer unberechenbaren Situation quasi zu explodieren. (In dieser Thematik forscht die Quantenphysik, u.a im Cern).

Dies wird greifbar, wenn man an die zunehmende Schwüle vor einem Gewitter denkt, an die Vorgänge im Inneren einer Atombombe, bevor sie explodiert, oder auch an eine eskalierende Stimmung in Beziehungen, aus der ein heftiger Streit ausbricht.

Das ‚reinigende Gewitter’ bringt alles wieder in Whopee. Meist mit einem Knall.


Der neunte Stab.

Tatanka, der Büffel, das Bison.

Es wird nicht wundern, dass der Büffel als erstes Lebewesen auftaucht.

Haben doch die Indianer vom Büffel alle Teile verwendet. Für Tipihäute, Schwitzhütte, Kleidung, Werkzeuge und natürlich als wichtigste Nahrungsquelle.

Der Büffel ist die lebende Verbindung von der nährenden und erdenden Maka, Mutter Erde, und den Wesen, die auf ihr Leben.

Tatanka Oyate, das Büffelvolk: Das sind die Sioux.

Mit Tatanka verbunden ist auch die weisse Büffelkalbfrau, die die heilige Pfeife Tschanunpa, die Rituale und die Medizin brachte.


Wissenschaftlich:

Dieser Schöpfungsschritt beschreibt das Entstehen der Lebensformen auf der Erde.


Der zehnte Stab.

Hanunpa, der Bär. Auch Mato oder Tobtob.

Die Genesis der Lebensformen geht weiter mit dem Bären.

Der Bär ist der Meister der Stimmigkeit - er geht mit der Schöpfung und ihren Jahreszeiten. Im Winter zieht er sich, wie auch die Natur, zurück. Im Frühjahr kommt er wieder aus seiner Höhle, die Bärin meist mit 1 - 2 Jungtieren. Er ist der erste Sohlengänger - wie wir Menschen auch. Zahlreiche Mythen beschreiben diese Verwandtschaft.

Und zugleich ist Hanunpa der erste Heiler. Mit dem Bären und seiner Medizin kommt also Heilung auf die Welt. (Mehr über Bärenmedizin unter Medizinmenschen: Peyuta Wicasa).

Hanunpa verkörpert auch ein Menschenrecht. Das Recht auf Heilung.


Wissenschaftlich:

Forschungen von Wildbiologen: Sie konnten beobachten, dass ein Braunbär, der von Darmparasiten befallen war, bestimmte Pflanzen suchte, ihre Wurzeln ausgrub und diese zu sich nahm. Am nächsten Tag schied er seinen gesamten Darminhalt - samt Parasiten - aus. Man folgte dem Bären und nahm in den folgenden Tagen wiederholt Kotproben, um letztendlich festzustellen, dass der Bär nach seiner 'Phytotherapie' keine Darmwürmer mehr in sich trug. Er hatte sich mit Pflanzen selbst geheilt.


Der elfte Stab.

Wani, die Himmelsrichtungen.

Mit dem Entstehen der Himmelrichtungen kommt grenzenlose Weite und die Mitte in alle Existenz.

Interessanterweise sagen wir ‚Himmelsrichtung’, obwohl wir ja nun Landbewohner sind. Eigentlich sollte es dann ja ‚Erdrichtung’ heißen. Aber es ist der Himmel, der uns die Weite und den Raum gibt.

Dies gilt nicht allein geometrisch, sondern auch für alle Freiheiten.

Wani definiert den Punkt in der Mitte des Seins in einem grenzenlosen Raum.


Wissenschaftlich.

Es ist erst der Raum, der die Möglichkeit der Existenz schafft.

Egal ob es ein Mensch ist, Schall, oder ein Lichtstrahl.

Unterhalb der Ebene des Raumes gibt es nur die Fläche, den Punkt.

Innerhalb eines jeden Raumes wirkt:


Der zwölfte Stab.

Yumni Wi, die Spirale, Wirbelwind.

Zahlreiche Höhlenmalereien auf der ganzen Welt geben die Symbolik der Spirale wieder.

Yumni Wi ist die Kraft des Kreises und der kreisförmigen Bewegung im Raum. Es ist eine Kraft, die sich in den aufeinander folgenden Kreisen der Jahreszeiten wiederspiegelt, der menschlichen Lebensphasen vom Säugling zum Greis, das Leben, die Leben. So gehen wir mit den Kreisen des Jahres in einer Spirale.

(Und nicht wie in einer Geraden von Geburt zu Tod, wie wir es verstehen).


Yumni Wi ist die Energie, die Galaxien bewegt, Sonnensysteme, Hoch- und Tiefdruckgebiete, Hurricans. Auch in der Tiefe des Lebens und aller Entstehung finden wir die Spiralform wieder: Unser Erbgut ist ebenso spiralförmig angeordnet (Doppelhelix), wie die Nabelschnur...


Wissenschaftlich:

Diese Kraft ist den verschiedensten wissenschaftlichen Richtungen bekannt. Es finden sich aber immer fachspezifische Erklärungen (astronomisch, physikalisch, medizinisch...), sodass sich niemand (?) über die allgemeinen Qualitäten von Yumni Wi Gedanken macht. Eine Forschung, die diese Kraft z. B. auch in Denkmodellen und Theorien betrachten würde, könnte neue Zugänge zur Lösung mathematischer wie physikalischer (und anderer) Fragen entwickeln. Unsere Wissenschaft läuft zumeist immer noch zweidimensional, wie eine Linie mit einer Gleichung. Wani gibt uns den Raum. Yumniwi ist die Kraft darin. Wenn unser Denken diesen Raum nutzt, gehen wir mit unseren kognitiven Fähigkeiten in die nächste Dimension.


Der dreizehnte Stab.

Niya, lebendiger Geist, Leben, Lebensatem.

Mit Niya kommt das Leben und die Kraft auf die Welt, die uns leben läßt. Es ist der Lebenshauch, Lebensatem, Chi, Prana... und wie auch immer diese Energie von den Menschen genannt wird.

Niya kommt mit dem ersten Atemzug eines Neugeborenen und geht mit dem letzten Atem eines Sterbenden.


Wissenschaftlich:

Nicht wirklich zu greifen. Man kann eine Blume in seine Einzelteile zerlegen, Niya wird nicht unter dem Mikroskop zu finden sein. Setzt man sie perfekt wieder zusammen, fehlt etwas: Das Leben. Die Pflanze ist tot. Niya ist gegangen. Die großen Fragen der Medizin nach den inneren Kräften der Heilung, den Prozessen des Sterbens und dem Tod sind ohne einen Blick auf Niya nicht zu beantworten.

Man kann das Leben nicht verstehen, wenn man es auf den Körper, seine Stoffwechselvorgänge und Körperfunktionen reduziert.


Der vierzehnte Stab.

Nagi, Spirit, Seelenteil, Geist (etwa im Sinne von Phantom), Ahnen.

Der Kreis des Lebens beginnt sich zu drehen. Ahnenreihen entstehen durch die, die vor uns gingen.

Es ist ebenso die Präsenz der Anderswelten mit diesem Begriff verbunden, die Krafttiere und Spirits.

Nagi steht ebenso für die nagualen Anteile des Menschen, die nichtstofflichen Aspekte des Seins, z.B. Gefühle, Träume, Sehnsüchte, Emotionalität…


Wissenschaftlich:

In der Genetik finden wir Aussagen zur Vererbungslehre.

In der Psychologie wird die Vererbbarkeit von Erkrankungen des Geistes erforscht. Hier geht es nicht nur um genetische Faktoren, sondern auch um familiäre Situationen, die sich oft schon seit Generationen wiederholen. (Erkenntnisse auch aus der familienstellerischen Arbeit nach Hellinger). Aus einem kindlichen Umfeld mit persönlichkeitsgestörten Menschen entsteht eine ‚krankhafte Programmierung’ des Verstandes. Daraus entwickeln sich dann Psychosen, Phobien, Schizophrenie und andere Krankheiten. Die erwachsene Generation gibt dieses Erbe an die nächste weiter.


Der fünfzehnte Stab.

Sicun. Bewusstsein, Verstand, Verbindung.

Mit Sicun kommt der Geist des Verstandes auf die Welt, das Denken und das Erleben des Bewusstseins.

Im eigentlichen Sinne ist die Aussage von Sicun: ‚Mitakuye Oyasin’ - die Verwandtschaft und die Verbindungen aller Existenz.

Ein Visionssucher dichtete einst:

Mitakuye Oyasin.

Ich bin allem verbunden, bin in Allem zuhaus.

Ich bin nur eine Faser im Gewebe des Lebens.

Ich bin mit Allem verbunden, bin in Allem zuhaus.


Das Gewebe, das ist Sicun. Es ist die Verbindung, das Eine. So ist auch keine Form von Bewusstsein isoliert. Die Faser kann ohne das Gewebe nicht existieren.

Sicun ist die geistige Anbindung an die Welt. Wir leben dies im Bewusstsein, im Verstand, Über- und Unterbewusstsein, in Wahrnehmungen, Träumen, Meditationen, schamanischen Reisen oder Visionen.


Wissenschaftlich:

Auch wenn unsere Wissenschaften überwiegend auf geistigen Leistungen beruhen, sind eben diese für sie immer noch weitgehend rätselhaft.

Man kann sich nicht erklären, warum ein Hund das Heulen beginnt, wenn 100 km entfernt sein Herrchen im Sterben liegt. Man rätselt, warum manchmal Menschen wissen, dass ein vermisster geliebter Angehöriger tot ist - oder das er noch lebt. Dies alles ist oft geschehen (Krieg, Grubenunglücke, Entführungen...) und geschieht immer wieder. Wissenschaftlich gesehen ist dies nicht möglich. Punkt.


Der sechzehnte Stab

Nagila. Seele, Essenz, Kern, Ursprung.

Nagila ist die Seele, das feinstoffliche Unsterbliche, der Kern, die Basis des Seins.

Es ist das göttliche schöpferische Prinzip im Leben, die seelische Existenz und die innerste Mitte, der Kreis im Kreis. Ohne Nagila wäre nichts beseelt.


Wissenschaftlich:

Blödsinn. Einen Kern kennt man nur in Steinobst oder Atomen.

Die Seele ist wissenschaftlich nicht nachweisbar, also nicht existent.

Sie spielt in der Heilung keine schulmedizinische Rolle.

Inipi bedeutet „wo-sie-schwitzen“, es ist der Lakota-Begriff für die Schwitzhütte.


Wakan Tunka Tipi

Die Hütte der Heiligen Steine

(Wo die Grossväter wohnen)


Die heiligen Kreise der Schöpfung...

Die meisten naturverbundenen Kulturen betrachten die Schöpfung nicht als einen irgendwann abgeschlossenen Prozess, sondern als eine stetig wirkende Kraft.

Alles ist ein Teil der Schöpfung, ein Teil des Prozesses - auch der Mensch. Dies drückt auch der Begriff 'Mitakuye Oyasin' aus: All' meine Verwandten, oder: Ich bin mit allem verwandt.


Schöpferische Kräfte sind starke Kräfte. Orte, an denen man diese erleben kann: Auf jeder Blumenwiese z.B. früh morgens, wenn die Blüten sich öffnen, in jedem Kinderlachen, bei Sonnenaufgang, in der Sexualität, bei der Geburt, in der Schwitzhütte...


Der heilige Schwitzhüttenkreis erzählt uns sehr viel über die Schöpfung.


Spirituell geschautes Wissen, große Visionen der Ahnen, Berufungen und mythische Figuren trugen zum Werden des Inipi bei.

In den 16 Stäben des Inipi finden sich die ersten 16 Schritte der Schöpfung wieder. Und die Geschichte der Schöpfung - immer und stets wirksam, wie sie uns das Inipi erzählt, sieht auch im Spiegel der Wissenschaft interessant aus.


Schöpfungsmythe und Inipi


Am Anfang gab es nur Wakan Tanka.

Übersetzt: Das große, heilige Geheimnis, in etwa: Göttliche, schöpferische Kraft, Gott...

Der Ursprung aller Dinge ist so geheimnisvoll, so göttlich, dass sich eine Personifizierung, (wie z.B. alter Mann mit weißem Bart auf der Wolke...), verbietet. Man interpretiert nicht, vermenschelt nicht, sondern lässt Gott einfach Gott sein.


Die schöpferische Kraft, die hinter dem Entstehen der Universen steht, wird von den Wissenschaftlern Urknall genannt: Big Bang. Und auch heute noch stellt sich dies als großes Geheimnis dar.


Mit Wakan Tanka beginnt der Kreis der Schöpfung.

Feuerhüterin und Inipi Sonneneruption Maka, Mutter Erde, aus dem All Inian, der Fels Hanwi bei Vollmond Tate, die Winde Segel aus Symbol für Whopee, die Harmonie

Philosophen und Theologen sind da anderer Meinung.

Die Menschheit auch.

Seit Jahrtausenden lebt der Mensch im Bewusstsein (Sicun!) des Vorhandenseins einer Seele.

Wir finden dieses Menschheitswissen in unzähligen Weltanschauungen, Religionen und Kulturen, bei Meistern und Gelehrten. Man sollte in puncto Seele vielleicht eher dem Dalai Lama zuhören, als zu kopfigen Wissenschaftlern.


Das Inipi ist immer wieder ein Wunder.


16 Stäbe, 16 Energien, 16 Resonanzen


Jeder der 16 Stäbe in des Inipi  schwingt sehr individuell in seinen Energien und Wirkungen auf den Menschen. Die Energiefelder der Plätze tragen Informationen und gehen mit der ihnen eigenen Wesenhaftigkeit in Resonanz mit dem Menschen, der sich auf diesem Platz befindet. So ist Erleben und Wirkung einer Inipi-Zeremonie auf den Menschen auch von dem Platz abhängig, auf dem er sitzt.


So ist Skan sicher ein sehr bewegender Stab, Maka sehr weiblich und erdend, usw. Hieraus entwickelt sich aus der Medizin der Schwitzhütte die Möglichkeit, den TeilnehmernInnen entsprechend ihrer Lebenssituation einen Platz anzubieten, der ihrem Erkenntnis- und Wachstumsprozess förderlich ist. Dies setzt vorraus, das der/die berufene(!) SchwitzhüttenleiterIn mit den Stäben, Schöpfungswesen, Steinen und Spirits vertraut ist - in aller möglichen Tiefe. Und natürlich ein Gefühl für die Menschen, die er/sie im Inipi begleiten darf.

Die Intensität und Art des Erlebens lässt deutlich werden, wo man steht. Es bringt Saiten im Menschen zum Klingen, die im Alltagsleben untergehen. Aus der Resonanz heraus geschehen reinigende und heilende Prozesse.

Damit wird das Inipi (auch) zum selbsttherapeutischen Werkzeug.


Ich möchte betonen, dass das Inipi - bei allen Möglichkeiten - nicht nur ein Werkzeug ist, sondern ein heiliger Raum. Es entspricht im weitesten Sinne einer Kirche und das Ritual einem Gottesdienst.  Es verbietet sich also, die Schwitzhütte ‚einfach so’ als Werkzeug zu benutzen, und dieses nach der Methode Versuch-und-Irrtum auszuprobieren.

Respekt ist die Grundlage, immer. Respekt vor der Heiligkeit der Schwitzhütte und Respekt vor den Menschen, die man begleiten darf. Sie geben nicht den Rahmen für einen egonährenden Auftritt des Leiters oder der Leiterin und der Kreis ist auch keine Bühne. Ein derartiges Verhalten wäre mißbräuchlich und respektlos vor dem Inipi und den Menschen.


Wir sind willkommen.


Wir sind alle ein Teil des großen Kreises. Alle Menschen haben darin Platz.

So sind wir willkommen, auch wenn wir kein Lakota sprechen.  Die Sprache des Herzens ist entscheidend.

Sie lebt über unseren Respekt vor der Schöpfung, vor dem Inipi, und vor der roten Rasse, die uns dieses große Erbe der Menschheit durch die Zeit brachte.

Alte und neue Kreise

(Eine persönliche Bemerkung)


Es war immer eine Stärke der roten Stämme, den Kreis als Vorbild der Gemeinschaft zu leben. Niemand wurde ausgegrenzt...

Viele Natives nehmen heute ihre Kreise als zerbrochen wahr, und sind tief betroffen vom Leid ihrer Stämme seit vielen Generationen.


Die heiligen Kreise des Inipi und des Sonnentanzes haben mich gelehrt, dass sie immer sind, immer wieder neu entstehen, sich stets verändern und ihre Kraft endlos ist.


Alles hat im Kreis der Schöpfung seinen Platz.


Und so betrachtet empfinde ich die alten Kreise der nativen Stämme nicht als zerbrochen. Ich sehe sie verändert, größer.


Die Welt der Weissen ist über sie hereingebrochen, die Schwarzen, die Hispanics, Asiaten, Einwanderer, Technik, Wirtschaft, usw. Doch ist all’ dies auch nur ein Teil des grossen Kreises. Und mit der zunehmenden Globalisierung wird der Kreis noch größer.

Ich möchte nicht respektlos oder belehrend erscheinen, aber ist es nicht an der Zeit, dass alle roten Menschen ihren Platz hierin einnehmen?

Ihr Wissen um das Menschwerden und -sein, um Medizin und Heilung, um Respekt vor und Wurzeln in Mutter Erde...: Es wird dringend benötigt auf der Welt.


Die Menschen würden Verständnis und Respekt vor der roten Rasse und ihrer Spiritualität leben lernen. Der Platz der Natives im großen Kreis wäre kraftvoll und bedeutsam.

Lame Deer ging damals in die Gefängnisse und gab Inipis. Wie ist es heute?

Es könnte ein großes Angebot entstehen: Schwitzhütten, Visionssuchen, Zusammenarbeit mit der Schulmedizin, usw, für alle Menschen... Allein in den USA gäbe es genug zu tun.


Es gibt die, die sich an der Reparatur vergangener Kreise abmühen, und unter Ausgrenzung gerade weisser Menschen versuchen, Identität, Kultur und Spiritualität in einer möglichst ursprünglichen, roten Form zu erhalten. Dies ist verständlich und eine Angelegenheit dieser Menschen selbst.

Ich habe es nicht zu bewerten.


Doch erfüllt es mich mit Traurigkeit.

Skan, die Kraft der Bewegung in der Brandung

Inipi - Hintergründe zur Schwitzhütte

Grossmutter MondTatanka - Der BüffelHanunpa - Der BärWani - Die Weite, der Raum, die HimmelsrichtungenIn der Form der Spirale: Die GenstrukturYumni Wi, die Spirale. Als Symbol: Die MilchstrasseNagi - Die nichtstofflichen WesenNiya: Lebensatem, Lebenskraft, LebenSicun: Bewusstsein, VerstandSteinritzung: Spirale als ewiges Symbol

Schöpfungsmythen kennt jede Kultur.


Es gibt allerdings viele Menschen, die sich in den Genesis-Geschichten der Religionen nicht zuhause fühlen. Religionszugehörigkeit setzt die Übernahme eines Glaubenskonzeptes voraus. Im Inipi geht es aber nicht um den Glauben, sondern um tiefes Erleben. Kann ich etwas glauben oder nicht? Das ist immer auch eine kindliche Frage, wie die nach Osterhase und Weihnachtsmann. Oder der Glauben an Adam und Eva, an die unbefleckte Empfängnis, die Jungfrauen im Paradies, usw.


Es fehlt mir die Erfahrung, das Erdige, das Lebbare.

Damit soll nicht Gläubigkeit an sich infrage gestellt oder beschmutzt werden.


Schöpfung, Leben und Sein können intensiv in einem Inipi er- und gelebt werden.

Und so auch verstanden werden.

Dies Erleben lässt ein Erkennen reifen, Wahr-Nehmung und Verständnis. Und dann lebt Spiritualität, aus der eigenen Mitte, die sich im Kreis der Schöpfung wieder findet.

Das eigene Empfinden ist der innere Raum, in dem die eigenen Anworten zu finden sind.

Und nicht die irgendwelcher Funktionsträger, die in irgendeinem Auftrag missionieren...


Hintergrund:

Der indianische Weg

Schöpfung ist immer..


Das Inipi lädt uns ein, in diese Energien einzutauchen.

Die Zeremonie hilft, uns selbst als Teil der Schöpfung zu verstehen, als Faser im Gewebe allen Lebens, als Teil aller göttlichen Existenz. Dies ist der heilige Raum für Reinigung und Heilung.


Schwitzhütten - Medizin


Menschen, die Schwitzhütten geben, gibt es einige - doch sicher nicht genug.

Was braucht es dazu? Ein Inipi zu begleiten ist eine Aufgabe für eine(n) initierten Medizinfrau/mann. Es ist also eine Berufungsfrage und kein Beruf.

Eine Schwitzhütte ist nicht alleine ein Werkzeug, das der eigene Arbeit dienlich ist. Im Gegenteil: Der Begleiter ist das Werkzeug des Inipis.


Ein Mensch ist in der Inipimedizin angekommen, wenn er

- alle Menschen in ihrem Befinden und ihren Prozessen fühlt.

- die Spirits der Schwitzhuette wahrnimmt und in Kommunikation gehen kann.

- mit den Steinen `spricht`und vor allem hört.

- angebunden und geführt ist.

- sich von den Mythen führen lässt, statt sie zu erzählen.

- Teil des Kreises ist und bleibt, statt sich über die Anderen zu stellen.

- die Lieder mehr lebt als singt…

- Schüler der Schöpfung ist...

Sonnenaufgang - Balken oben

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Sonnenaufgang auf der Erde: Balken oben. Sonnenaufgang auf der Erde: Balken oben.

Indianerpfad




Ethnomedizin - Die Medizin der Naturvölker